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Schönheit als Weltanschauung Zum Geleit

Schönheit als Weltanschauung

Die Welt scheint aus den Fugen. Wer hilft uns. Nicht nur die Intellektuellen, die Verschwörungstheoretiker, die professionellen Auguren, die meisten Ökonomen, sondern einfache, rechtschaffende Menschen, bisher zufrieden mit dem Blick über heute und morgen, erwägen unser Ende. Und irgendwie, entweder erst nach Analyse oder aber direkt auf der Hand liegend, wird der Ausweg in klarer Forderung nach Autorität sichtbar. Etwa dreihundert Jahre Aufklärung und Verwirklichungsversuchen der Menschenrechte und der Liberalität haben nicht dazu geführt, in ihnen die Garanten und Förderer der Wohlfahrt, der Zukunft und des Fortschrittes zu sehen. Autorität, Ideologie, die wehrhaft sind, starke und kompromisslose Radikalität werden zunehmend als Retter gesehen.  Die letzten Abteilungen des Liberalismus setzen in diesem Zusammenhang auf die Macht der Bildung, fühlen jedoch selber, wie schwach die Erfolgsaussichten sind. Und tatsächlich: wenn nach dreihundert Jahren Aufklärung sich einzig die Technik rasant entwickelt hat, Moral und Einsicht jedoch eher stagnierten oder sogar rückentwickelten, ist es schwer, eine derartig gebildete Masse zu erwarten, die als Streiter für Vernunft und allgemeiner , perspektivisch geführter Wahrheitsliebe und Güte eintritt und handelt.

Also brauchen wir wieder die ideologischen Großsysteme, am besten eine eklektische Mischung aus ihrem jeweils Besten unter dem Verzicht ihrer Entartungen.

Ich denke. nein

(Fortsetzung folgt) 

18.1.16 15:09


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Schönheit als Weltanschauung (1)

 

Aber was sonst? Sind wir tatsächlich konzeptionslos im Finale eines verlorenen Spiels. Wer ist es, der gegen uns gewinnt? Ist es der Planet, der, von Homo Sapiens therapiert, aufatmend sich erholt? Oder der Kosmos, der so nicht mehr befürchten muss, von uns in kommenden Zeiten infiziert zu werden? Oder Gott, der in diesem Falle nicht nur mit uns gespielt hätte, wie einige behaupten, sondern gegen uns? 

Ich denke: nein

Ich will vorderhand an etwas, in dieser Zeit scheinbar verschüttetes, erinnern: an die Hoffnung. Man könnte meinen, sie hätte sich unserer sinnlichen Wahrnehmung entzogen und würde nur noch im Transzendenten der  Religionen oder bei den Menschen, die Lotto spielend die Gesetze der großen Zahl ignorieren, vorhanden sein.

Leider ist nicht zu übersehen, dass nach dem Scheitern der kommunistischen Hoffnungsideologie die Hoffnung selber suspekt geworden ist.  Doch was scheiterte da? Marcuse hat es treffend zum Ausdruck gebracht, wenn er schreibt: „…während man bereit ist, an die phantastischsten Möglichkeiten zu glauben, …ist man durchaus nicht bereit, an die Atom-Zertrümmerung des historischen Menschen zu glauben…!"[1]

Die Atomzertrümmerung des historischen Menschen, um sein Glück frei zu setzen, diese Utopie scheiterte! Der Wunsch, mittels Ideologie, die als Wissenschaft daher kam, dem freien Willen unlösbare Fesseln (an)wachsen zu lassen, hat den Menschen im Wesen jedoch kaum verändert, eher glückloser als glücklicher, eher egoistischer als solidarischer, vor allem aber hässlich gemacht. Und davon ist eben auch die Hoffnung betroffen. Sie ist vorrangig auf Überleben und Absicherung gerichtet. So ist es nicht verwunderlich, wenn „wer heute nach Zukunft fragt, (wissen) will …, ob Hoffnung besteht, dem aktuellen Verwilderungsprozess beim Menschen Herr zu werden.“[2]

Dahin ist es gekommen.  Wie arm, wie eng  hat Sloterdijk diese große Gabe des Menschen gesetzt. Bloch schreibt:  „Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen!…..der Affekt des Hoffens geht aus sich heraus, macht die Menschen weit, statt sie zu verengen, kann gar nicht genug wissen von dem, was sie inwendig gezielt macht, was ihnen auswendig verbündet sein mag. “[3]

Helfende Hoffnung weitet den Spielraum des freien Willens. Jüngst wird behauptet, dass die Gene ihn nicht zuließen.  Als ob die Gene unveränderliche Steine wären, wie jene Wackersteine, die den Wolf in den Brunnen zogen.

Nein, die Gene stehen nicht im Wege, im Gegenteil, sie sind für mich die „Loci der Hoffnung“. Warum will man nicht sehen, welche Seelen, welche Menschen unsere Genome bereits zulassen. Inmitten solcher Menschen wie Christus, Albert Schweizer, Gandhi, Mutter Theresia, um nur einige der wenigen Bekannten unter den Millionen der Unbekannten oder der Verschwiegenen zu nennen, was könnte in der Gemeinschaft solcher Menschen noch gegen die Hoffnung unternommen werden?

Haben es diese Menschen allein aus sich oder fließt ihnen etwas zu, dessen wir alle teilhaftig werden könnten? Gibt es diese Quelle?

Ich denke: ja

 

(Fortsetzung folgt)



[1] Ludwig Marcuse: Philosophie des Glücks. Zürich.1972. Diogenes-Verlag. S. 382

[2] Sloterdijk, Peter. Regeln für den Menschenpark. Frankfurt/Main. 1999. Edition Suhrkamp. S.21.

[3] Bloch, Ernst; Das Prinzip Hoffnung; Werksausgabe; Frankfurt am Main, 1985; S.1

19.1.16 11:53





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